Den Alltag nach dem Schlaganfall meistern: Schlaganfall-Lotsen helfen Betroffenen in Wiesbaden

Der erste Schlaganfall-Lotse hat in einer Klinik in Wiesbaden seine Arbeit aufgenommen. Patienten werden auf Wunsch in einem Nachsorgeprogramm bis zu einem Jahr lang nach ihrem Krankenhausaufenthalt unterstützt.  Die Schlaganfall-Initiative Wiesbaden/Rheingau-Taunus hatte sich in der Region für das Projekt sehr stark gemacht und freut sich nun über die erfolgreiche Umsetzung zum Wohl der Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen.

„Die Einführung von Schlaganfall-Lotsen war uns eine Herzensangelegenheit und wird für die Betroffenen einen spürbaren Mehrwert bringen“, sagt Professorin Dr. Dr. Stephanie Tritt, Vorsitzende der Schlaganfallinitiative Wiesbaden/Rheingau-Taunus. „Ich freue mich sehr, dass wir das Projekt auch dank der Impulse der Schlaganfallinitiative nach vorne bringen konnten und es schließlich mit Unterstützung aller Beteiligter erfolgreich realisiert wurde“, so die Vorsitzende.

Wie profitieren Patientinnen und Patienten von den Schlaganfall-Lotsen?

Speziell geschulte Fachkräfte, sogenannte „Schlaganfall-Lotsen“, begleiten Schlaganfallbetroffene ab ihrem Klinikaufenthalt und helfen ihnen anschließend zurück ins Leben. Sie kümmern sich auch um die Koordination aller Maßnahmen wenn die Patienten wieder zu Hause sind. Gleichzeitig unterstützen Sie dabei, das Risiko für einen erneuten Schlaganfall zu vermindern.

„Es ist wichtig, dass Patienten in der Situation nach einem Schlaganfall nicht alleine gelassen werden, sondern dass jemand für sie vor Ort da ist, der ihnen hilft und sie auch nach dem Klinikaufenthalt professionell als Ansprechpartner begleitet und berät“, ist Professorin Tritt überzeugt.

Auch Dr. Reinhard Völker, Mitglied des Beirats der Schlaganfallinitiative und niedergelassener Arzt, freut sich über die erfolgreiche Einführung der Schlaganfall-Lotsen in Wiesbaden: „In der Schlaganfallinitiative haben wir uns über einen längeren Zeitraum für die Einführung von Schlaganfall-Lotsen eingesetzt. Es ist eine tolle Sache, dass auch durch das beharrliche und persönliche Engagement aus der Schlaganfallinitiative heraus an verschiedenen Stellen für das Thema sensibilisiert werden konnte und so ein Beitrag für die weitere Verbesserung der Patientenversorgung in Wiesbaden und Umgebung geleistet werden konnte. Ich freue mich sehr, dass sich die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken (HSK) dem wichtigen Thema der ganzheitlichen Begleitung von Schlaganfallbetroffenen angenommen haben und Wiesbaden nun die zweite Stadt in Hessen ist, an der Schlaganfall-Lotsen zur Verfügung stehen“.

Das Modell  der Schlaganfall-Lotsen (teilweise auch „Schlaganfall-Begleiter“ oder „Stroke Manager“ genannt) wurde ursprünglich von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ins Leben gerufen und in Pilotprojekten an verschiedenen Standorten mit lokalen Partnern erfolgreich getestet.

„Nach einem Schlaganfall steht das Leben meist auf dem Kopf. Plötzlich gibt es viel zu organisieren und viele Dinge zu beachten“, sagt Rudi Sanner, Mitglied des Vorstands der Schlaganfall-Initiative Wiesbaden/Rheingau-Taunus. „Wenn an dieser Stelle ein erfahrener Profi unterstützt und den Betroffenen und ihren Familien mit Rat und Tat zur Seite steht, ist das eine enorme Hilfe“.

Hintergrund: Schlaganfall und seine Folgen

Die Zahlen sind erschreckend, die Folgen für die Betroffenen und Angehörigen weitreichend: Der Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache und sogar Ursache Nummer 1 für eine bleibende Behinderung im Erwachsenenalter. Etwa ein Drittel der Betroffenen behält gesundheitliche Einschränkungen zurück. Dabei nimmt die Zahl der Schlaganfälle bei jüngeren Menschen stark zu.

Rund 270.000 Mal pro Jahr lautet in Deutschland die Diagnose „Schlaganfall“. Hinter jeder verbirgt sich ein individuelles Schicksal. Für Menschen, die von einem Tag auf den anderen Tag aus völliger Gesundheit heraus fremde Hilfe benötigen, weil sie nicht mehr sprechen oder gehen können, ist die Verarbeitung dieser Umstellung eine große Herausforderung.

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Zahlreiche Aktivitäten und Projekte der Schlaganfallinitiative Wiesbaden/Rheingau-Taunus

Auch unter den Corona-bedingt schwierigen Rahmenbedingungen konnte die Schlaganfallinitiative in den letzten Monaten mehrere Projekte erfolgreich vorantreiben. Hierzu zählen eine neue Gesundheitskampagne und eine Initiative zur Verbesserung der Betreuung von betroffenen Patienten durch professionelle Schlaganfall-Lotsen.

Nach dem großen Erfolg der letzten mobilen Informationskampagne und dem Gewinn der Auszeichnung als beste Verkehrsmittelwerbung, ist nun eine neue Bus-Kampagne zum Thema Schlaganfall angelaufen.
Die neue Informationskampagne erfolgt diesmal mit modernen Elektro-Bussen, die in Wiesbaden und in der Region unterwegs sind. Der Slogan der vorherigen Kampagne ‚Zeit ist Hirn – Jede Minute zählt‘ wurde natürlich wieder aufgegriffen. Es gibt jedoch auch einige Neuerungen: „Wir setzen diesmal bewusst auf eine noch etwas plakativere Gestaltung mit gut sichtbaren Textelementen, die ins Auge fallen sollen. Der Schlaganfall als medizinischer Notfall, bei dem sofortiges Handeln gefragt ist, wurde noch stärker betont“, erklärt Prof. Dr. Dr. Stephanie Tritt, Vorsitzende der Schlaganfallinitiative Wiesbaden/Rheingau-Taunus die Gestaltung der Werbung am Heck der Stadtbusse. „Gleichzeitig geht es uns aber auch um bestmöglichen Informationsgehalt. Daher wurden vier typische Anzeichen eines Schlaganfalls – nämlich Sprach- und Sehstörung, Lähmungserscheinungen und Schwindel – noch deutlicher dargestellt“, so die Medizinerin.
Ziel der Kampagne ist es, in der Öffentlichkeit für die Symptome eines Schlaganfalls und das richtige Verhalten im Ernstfall zu sensibilisieren. Denn: Je schneller ein Schlaganfall erkannt wird und je weniger Zeit vergeht bis eine Behandlung in einer spezialisierten Schlaganfall-Station im Krankenhaus (Stroke Unit) erfolgt, desto größer ist die Chance für einen langfristigen Therapieerfolg.

Ein weiteres zentrales Projekt der Schlaganfallinitiative ist die Einführung von „Schlaganfall-Lotsen“ in der Region. Hierbei soll eine ganzheitliche Begleitung von Schlaganfallbetroffenen und deren Angehörige durch speziell geschulte Fachkräfte erreicht werden. „Dieses wertvolle Thema wurde bereits vor einiger Zeit von meinem Vorgänger angestoßen. Die Umsetzung und Arbeit an diesem Projekt ist für uns als Schlaganfallinitiative eine Herzensangelegenheit. Patienten werden von der Beratung und der noch stärker vernetzten Versorgung in der Region enorm profitieren“, so die Vorsitzende.  Die Betreuung von Schlaganfall-Patienten durch professionelle Lotsen hat das Ziel, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und das Risiko auf einen weiteren Schlaganfall zu minimieren. Lotsen beraten die Patientinnen und Patienten und deren Angehörige und unterstützen beispielsweise bei der Kommunikation mit Ärzten, Reha und Krankenkassen.
Durch das Engagement der Schlaganfallinitiative konnte das Thema „Schlaganfall-Lotsen“ für die Region in den letzten Monaten konzeptionell und planerisch deutlich vorangetrieben werden. Die Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe und weiteren Partnern wurde intensiviert. Die Schlaganfallinitiative wird dieses Thema weiter engagiert verfolgen und aktiv begleiten.

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